Wo einst ein Atomschutzbunker von Typ SBW 300 im Erdreich versteckt war, stehen heute zwischen der Goldschmidtstraße und Auguste-Schmidt-Straße im Leipziger Stadtteil Zentrum-Südost vier Wohnhäuser. 2016 war das Areal neben dem Mendelssohn-Haus, das viele Jahre als großer Parkplatz diente, bebaut worden. Die Häuser sind durch eine Tiefgarage miteinander verbunden, der Bunker musste weichen und wurde komplett abgerissen.
230 Quadratmeter Nutzfläche
Den Bunkertyp SBW 300 gab es in Leipzig laut des Dresdner Bauingenieurs Jens Herbach viermal. Er betreibt eine Internet-Seite zu Bunkern und Militäranlagen in Ostdeutschland. Die Anlage war bei Maßen von 16,5 mal 16,5 Metern für bis zu 300 Personen ausgelegt und hatte eine Nutzfläche von 230 Quadratmetern. Der Bunker verfügte über zwei Zugänge, eine Schleuse, einen Bereich für Dekontamination, Wasserversorgung, Belüftungs- und Sanitäranlagen sowie eine Kfz-Zufahrt.
Nur 62 DDR-Bunker für Zivilbevölkerung
In der DDR gab es schätzungsweise 2.000 bis 2.500 Bunker, aber nur 62 waren für die Zivilbevölkerung vorgesehene Schutzbauwerke. Die in Leipzig vorhandenen SBW stehen nicht mehr unter der Bewirtschaftung des Katastrophenschutzes. Sie wurden 2007 von der Bundesregierung aus der Zivilschutzbindung entlassen und sind in ihrem heutigen Zustand nicht mehr nutzbar. Oder sie wurden schon komplett abgerissen. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 prüft die Bundesregierung, ob bestehende Bunkeranlagen reaktiviert werden können. Geplant ist ein dezentrales Schutzraumkonzept, laut dem neben Bunkern auch U-Bahnhöfe, Tunnel und Tiefgaragen als Schutzorte dienen sollen.


