Leipzig war einst die Folkhauptstadt der DDR. Eine neue Ausstellung im Musikinstrumentenmuseum zeigt ab 28. November 2026, wie sich die Szene entwickelte – mit selbst gebauten Instrumenten, historischen Fotos und Musikbeispielen.
Als Leipzig die Folkhauptstadt war
Dudelsäcke, Drehleiern und Lieder mit doppeltem Boden: Die ostdeutsche Folkszene hatte ihren eigenen Charakter. Besonders lebendig war sie in Leipzig. Hier trafen sich Musiker aus der ganzen DDR, gründeten Folkklubs und organisierten Tanzveranstaltungen. Wie sich diese Szene entwickelte, zeigt die Ausstellung „selbermachen – 50 Jahre Folkmusik in Ostdeutschland“. Sie ist ab 28. November 2026 im Musikinstrumentenmuseum im GRASSI zu sehen.
Die Anfänge reichen bis ins Jahr 1976 zurück. Damals lud die Leipziger Band Folkländer ein Dutzend Gruppen zu einem Werkstattwochenende ein. Treffpunkt war der Studentenklub der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Daraus entwickelte sich eine Szene, die Leipzig zur Folkhauptstadt der DDR machte. 1983 entstand hier die einzige Volkstanzschule der Republik. Ein Jahr später erschien erstmals das „Leipziger Folksblatt“. 1986 feierte das internationale Tanzhausfest Premiere. Bis zu 1.000 Menschen tanzten damals in der Kongresshalle.
Dudelsäcke aus eigener Werkstatt
Folkmusik bedeutete in der DDR oft auch Improvisation. Instrumente wie Dudelsäcke und Drehleiern waren kaum erhältlich. Also bauten Musiker sie kurzerhand selbst. Einige dieser Instrumente sind nun im GRASSI-Himmel ausgestellt. Historische Plakate, Fotografien und eine digitale Hörstation ergänzen die Schau. Dabei geht es nicht nur um Musik. Die Ausstellung beleuchtet auch das schwierige Verhältnis zwischen Musikern und staatlichen Funktionären. Manche Lieder enthielten versteckte Botschaften, andere griffen alte musikalische Traditionen auf.
Konzerte und Gespräche zur Ausstellung
Zur Eröffnung am 28. November gibt es eine Gesprächsrunde mit Instrumentenbauern. Anschließend folgt eine Führung durch die Ausstellung. Das Duo Solid Ghost begleitet den Nachmittag mit Harfe und Dudelsack. Am 29. November steht ein Thementag in der naTo auf dem Programm. Geplant sind zwei Gesprächsrunden und zwei Konzerte. Ab Januar folgen monatliche Gesprächskonzerte im Museum. Themen sind unter anderem historische Instrumente, Handwerksgesellenlieder und die Leipziger Folkszene. Konzipiert haben die Ausstellung der Musikwissenschaftler Ralf Gehler und der Journalist Wolfgang Leyn.


