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Schule

Ist mein Kind schulreif?

Vor dem Schulstart gibt es vieles zu klären: Wer darf wann eingeschult werden, und welche Untersuchungen stehen an? Dr. Claudia Korebrits vom Leipziger Gesundheitsamt gibt Antworten.

Dr. Korebrits und die 20 Teams des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes im Gesundheitsamt beraten individuell zu Förderung und Maßnahmen © privat

In Sachsen beginnt die Schulpflicht für Kinder, die bis zum 30. Juni sechs Jahre alt werden. Wer danach Geburtstag hat, kann auf Antrag eingeschult werden. Die Schulleitung der Grundschule, bei der das Kind angemeldet wurde, entscheidet über die Aufnahme. Wichtig ist, dass diese Kinder in ihrer Entwicklung den Gleichaltrigen entsprechen. Vor Schulstart werden alle Schulneulinge vom Kinder- und Jugendärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes untersucht. Dr. Claudia Korebrits leitet den Kinder- und Jugendärztlichen Dienst in Leipzig und ist zuständig für Untersuchungen in Schulen, Kitas und Förderschulen. Sie beantwortete uns einige wichtige Fragen:

Liebe Frau Dr. Korebrits, wie merke ich, dass mein Kind bereit für die Schule ist?

Dr. Claudia Korebrits:

Ein guter Schulstart hängt von mehreren Entwicklungsbereichen ab. Wir zeigen, worauf Eltern zusammen mit Erziehern und Kinderärzten achten können, um herauszufinden, ob ihr Kind startklar ist – und wo vielleicht noch etwas Übung gut tut.

Wichtige Entwicklungsbereiche eines Kindes sind:

  1. psychosoziale und emotionale Entwicklung
  2. sprachliche Entwicklung
  3. motorische und feinmotorische Entwicklung
  4. intellektuelle Entwicklung
  5. körperliche Entwicklung

 

Was steckt hinter diesen Punkten?

Dr. Korebrits: Es gibt einen orientierenden Fragenkatalog, den man sich selbst als Eltern beantworten kann. Er umfasst die genannten Entwicklungsbereiche und lässt erkennen, ob ein Kind jetzt schon oder demnächst „bereit für die Schule“ ist und in welchen Bereichen vielleicht noch ein Anregungs- und Unterstützungsbedarf besteht.

Zum Beispiel: 

  • Ist mein Kind neugierig und gespannt auf die Schule?
  • Hat es Lust, Schreiben und Lesen zu lernen?
  • Hat mein Kind ein stabiles Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen entwickelt?
  • Kann mein Kind in ganzen Sätzen erzählen?
  • Sind die Sätze grammatikalisch weitgehend richtig?
  • Ist die Aussprache deutlich? Kann es die einzelnen Laute richtig aussprechen?
  • Sind die Bewegungen Ihres Kindes flüssig?
  • Kann es beim Balancieren gut das Gleichgewicht halten? Springen? Klettern?
  • Kennt mein Kind alle Farben?
  • Interessiert es sich für Buchstaben und Zahlen?
  • Kann es schon seinen Namen schreiben?

Diese Punkte geben einen guten Überblick, ob ein Kind startklar für die Schule ist – oder wo es noch ein bisschen Unterstützung braucht.

 

Nach welchen Kriterien wird das Kind bei der Schuleingangsuntersuchung beurteilt?

Dr. Korebrits: Bei der Schuleingangsuntersuchung achten Ärztinnen und Ärzte auf verschiedene Entwicklungsbereiche, die für einen gelungenen Schulstart entscheidend sind. Dazu gehören die Fähigkeiten des Kindes, seine Motivation, Selbstständigkeit und psychische Stabilität. Besonders wichtig sind Sprache und Kommunikation, aber auch fein- und grobmotorische Fertigkeiten sowie das Zahlen- und Formenverständnis werden betrachtet.
Neben dem Gespräch mit den Eltern werden die Kinder körperlich untersucht, ein Entwicklungs-Screening durchgeführt, Seh- und Hörtests gemacht und der Impfstatus geprüft. Aus der Kombination aller Befunde erhalten die Eltern eine individuelle Beratung und eine Empfehlung zur Einschulung. Bei Fragen zu vorzeitiger Einschulung, Zurückstellung oder zusätzlicher Förderung werden die Eltern ausführlich informiert. Dabei spielen auch bisherige Lernerfahrungen, familiäre Rahmenbedingungen, der Kita-Alltag und die sozialen Kontakte des Kindes eine wichtige Rolle.

 

Warum ist die Schuleingangsuntersuchung so wichtig?

Dr. Korebrits: Die Untersuchung ist kein Test, den ein Kind bestehen muss. Vielmehr geht es darum, jedes Kind in seiner individuellen Entwicklung zu sehen und die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start in die Schule zu schaffen. In der Schule treffen Pädagogen auf Kinder, die sich sehr unterschiedlich entwickelt haben – manche sind in ihrer Entwicklung eher wie Vierjährige, andere eher wie Achtjährige, obwohl sie alle etwa sechs Jahre alt sind. Jedes Kind soll die Unterstützung und Bedingungen bekommen, die es braucht, um gut lernen zu können. Der Übergang in die Schule stellt eine wichtige Entwicklungsaufgabe dar: Kinder lernen neue Beziehungen, müssen sich an ein stärker strukturiertes Lernumfeld anpassen und neue Alltagsroutinen entwickeln. Durch die Zusammenarbeit von Eltern, Kita, Gesundheitsamt und Schule wird dieser Übergang gemeinsam gestaltet, damit Kinder gut vorbereitet, selbstbewusst und gestärkt in ihren neuen Lebensabschnitt starten können.

 

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