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Kinderoper auf Augenhöhe

„Holle!” an der Oper Leipzig

Regisseurin Naïma Märker inszenierte „Holle!” an der Oper Leipzig. © Oper Leipzig

Zwei junge Mädchen, die durch einen Brunnen im magischen Reich der Frau Holle landen. Sie müssen Brot aus dem Ofen ziehen und das Apfelbäumchen schütteln und rütteln. So geht das Märchen doch, oder?

Nicht in der Kinderoper „Holle!”. Hier wird der bekannte Stoff weitererzählt und in die Gegenwart gebracht. Regisseurin Naïma Märker und Hauptdarstellerin Kathrin Göring sprechen über Frau Holle, Kinderopern und das Klima.

Hausdebüt mit „Holle!”

Frau Holle kündigt. Die Menschen klagen über das Wetter und sind ständig unzufrieden. Auch die Umweltverschmutzung nimmt zu. Also packt Frau Holle ihre Sachen und quittiert den Dienst. „Jeder kann etwas mit Frau Holle anfangen, jeder hat schon mal von ihr gehört”, erklärt Naïma Märker. Seit vier Jahren arbeitet sie als Regieassistentin an der Oper Leipzig. Mit „Holle!” gibt sie dort ihr Hausdebüt als Regisseurin.

Als Hauptdarstellerin wurde Kathrin Göring ausgewählt. „Ich glaube, dass Frau Holle nicht so ein junges Ding sein soll, sondern eine erfahrene Dame” , sagt sie. Sie fühle sich für die Rolle berufen, da sie leidenschaftlich gerne Kinderopern spiele. 

Neben der Figur Frau Holle gibt es außerdem noch Pech-Andy und Gold-Andy - die weiter gedachte Version der beiden Mädchen aus dem Märchen. Die beiden Andys kümmern sich auch um das Wetter im Stück: Mit Klarinette und Klavier. 

Oper in der Garderobenhalle

Kinder sind ein dankbares, aber auch strenges Publikum. Sie lassen sich mitreißen und sind vor allem eines: ehrlich. Um die Kinder abzuholen, wird „Holle!” nicht auf der Bühne im Opernsaal aufgeführt, sondern in der Garderobenhalle. Es wird laut Märker quasi „die Premiere dieser Spielstätte”.

Für die Umsetzung muss jedoch der Raum transformiert werden. Statt in festen Sitzreihen, können die Kinder mit Kissen auf dem Boden sitzen. So entsteht keine starre Grenze zwischen der Bühne und dem Zuschauerraum. Märker betont, dass ihr die Nähe zum jungen Publikum besonders wichtig ist. Gemeinsam mit der Bühnenbildnerin Hyeonsu Jung hat sie daher ein Bühnenbild entworfen, dessen Elemente sich teilweise direkt im Zuschauerraum befinden. Auch für die Darsteller ist dieser intime Rahmen besonders. Kathrin Göring schätzt an kleinen Bühnen den direkten Kontakt mit den Zuschauern. Die Nähe erlaubt es ihr, den Kindern in die Augen zu schauen und sie ganz individuell anzusprechen. 

Erste Berührungen mit der Klimakrise

„Holle!” ist nicht nur eine märchenhafte Kinderoper. Das Stück eröffnet Kindern erste Berührungen mit Klimawandel und Klimakrise. Mit Hilfe der bekannten Märchenfigur Frau Holle wird das komplexe Thema für Kinder aufgebrochen und greifbar gemacht. „Und wenn dann eine so beeindruckende Figur wie Frau Holle vor dir steht und sagt, du musst aufpassen, die Welt geht nämlich unter, dann macht es Angst erst mal!”, findet Märker. Dabei sei ihr wichtig, dass die Oper keine Angst verbreitet, sondern zum Nachdenken anregt. 

Nach den Vorstellungen wird es außerdem ein Begleitprogramm geben, in dem Nachgespräche angeboten werden. Hier können Kinder und Erwachsene über das, was sie während des Stücks gefühlt und gesehen haben, sprechen. „Ich bin froh über diese Nachgespräche, denn es soll keine Angst übrig bleiben, sondern Hoffnung”, so Göring. 

Schulklasse als Co-Regisseure

Doch bevor „Holle!” am 28. Februar 2026 auf die Bühne kommt, gibt es noch einiges zu tun. 

Die szenischen Proben beginnen drei Wochen vor der Premiere. Eine Patenklasse darf den Probenprozess von „Holle!” begleiten und Feedback geben. Märker erklärt, dass die Schulklasse sogar eingreifen und Änderungen vorschlagen dürfe. Vor der Generalprobe gibt es deshalb die Möglichkeit, eventuelle Anpassungen umzusetzen.

Aber nicht nur Kinder sollen Spaß an „Holle!” haben. „Ich finde wichtig, dass es ein Stück ist, das die Eltern genauso anspricht”, betont Märker.

Was Märker und Göring besonders am Herzen liegt, ist, dass Kinder und Eltern nach der Vorstellung nachdenklich nach Hause gehen. Dass Gedanken entstehen und Gespräche beginnen. Die Kinder sollen das Gefühl bekommen, dass auch sie etwas bewegen und verändern können.

Kinderoper  „Holle!”, Premiere am 28. Feb., 15 Uhr, in der Garderobenhalle der Oper.

Weitere Termine am 1./2. März und vom 5. bis 7. Mai, mehr Infos unter www.oper-leipzig.de

 

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