Im fünften Teil unserer Serie führt Anja Herzog ein Gespräch mit Ayleena Jung. Darin geht es um Mut, Selbstwahrnehmung und spirituelle Resilienz. Die zweifache Mutter und Yogalehrerin erzählt, wie sie Familie und Beruf vereint, warum Krisen sie stärken – und was es heißt, den eigenen Weg mit offenem Herzen zu gehen.
Anja Herzog: Wenn du dich selbst in drei Worten beschreiben müsstest, welche wären das?
Ayleena Jung: Offen, lebendig, herzlich.
Anja: Du hast schon viele Stationen in deinem Leben hinter dir – von Berlin über Spirit Yoga bis nach Leipzig. Wenn du zurückblickst: Was war bisher der wichtigste Wendepunkt für dich?
Ayleena: Definitiv beide Geburten meiner Kinder, meine Yoga-Ausbildung und meine Ausbildung zur geistigen Begleitung. Und natürlich das Kennenlernen meines Mannes in diesem Leben.
Anja: Viele kennen dich als starke Frau mit Familie und spirituellem Tiefgang. Wie würdest du dich selbst beschreiben?
Ayleena: Die Beschreibung passt, aber genauso spielt Verletzlichkeit eine Rolle. Krisen nehme ich als Wegweiser und mache das Beste daraus. Ich stehe immer wieder auf. Herzensenergie ist mir wahnsinnig wichtig.
Anja: Familie und Beruf sind oft schwer unter einen Hut zu bekommen. Wie schaffst du diesen Spagat?
Ayleena: Die Kinder stehen für mich unverhandelbar an erster Stelle. Ich schaue, wer gerade mehr braucht und wer weniger. Ich habe gelernt, Ruhe hineinzubringen, Dinge auch abzugeben und ins Vertrauen zu gehen. Kontrolle üben zu wollen, bringt nichts.
Anja: Gibt es ein Familienritual, das dich zurückholt, wenn das Leben hektisch wird?
Ayleena: Ja! Innehalten und mich fragen: Wie geht es mir eigentlich gerade? Wir sagen uns immer „Gute Nacht“ und „Guten Morgen“, essen möglichst oft gemeinsam und besprechen am Tisch keine negativen Themen.
Anja: Was tust du für dich und deine Gesundheit?
Ayleena: Yoga und Meditation helfen mir sehr. Es geht immer wieder darum, bewusst wahrzunehmen: Wie geht es mir gerade? Ich suche einen Mittelweg: Was ist jetzt dran, was kann warten? Ein guter Kontakt zu sich selbst ist das A und O.
Anja: Wenn du auf deine bisherigen Projekte schaust: Was war dein mutigster Schritt?
Ayleena: Meine Yoga-Lehrer-Ausbildung. Meine Tochter war damals noch klein, und ich wusste nicht, ob ich alles schaffe. Heute weiß ich: Die mutigsten Schritte sind die besten.
Anja: Du hast deine Ausbildung bei Spirit Yoga in Berlin gemacht. Was hat dich damals dorthin geführt?
Ayleena: Ich habe die Internetseite zufällig entdeckt und sofort gespürt, dass es das ist.
Anja: Was bedeutet für dich Spiritualität?
Ayleena: Alles! Schon als Kind habe ich darüber Bücher gelesen. In unserer Gesellschaft kommt Spiritualität viel zu kurz. Würden wir ihr mehr Beachtung schenken, wären unsere Leben reicher.
Anja: Du bist viel gereist, zuletzt auch mit deinem Mann. Was nimmst du von solchen Reisen mit?
Ayleena: Immer wieder Dankbarkeit dafür, wie wir hier leben dürfen – für die Vielfalt unserer Welt, für Kulturen und Eindrücke. Es ist ein großes Glück, diese Freiheit zu haben.

