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  • Bühne
Kolumne

Eine Seite Vernunft

Peter Schneider ist Schauspieler, Musiker und Vater. In einer Folge der neuen ARD-Tierarztserie „Zwei Frauen für alle Felle“ (siehe auch Seite 26) schlüpft er in die Rolle eines Landwirts Der fiktive Hof liegt in Naumburg, gedreht wurde jedoch direkt vor den Toren Leipzigs.

Peter Schneider
Peter Schneider © Wolfgang Eschenhagen

Wenn Heimat zum Spielort wird

Ich bin in Leipzig geboren und in Zeitz aufgewachsen, einer kleinen Industriestadt, die es nicht leicht hat. Vielleicht war es deshalb ein gutes Gefühl, genau hier zu drehen. Nicht nur, weil ich in der Nähe wohne, sondern weil es Zeit ist, mehr Geschichten mit ostdeutscher Identität zu erzählen, gemacht von Menschen, die hier leben. Wenn das gelingt, entsteht nicht nur ein Film, sondern eine Verbindung.

Die Rolle hat mich zurück auf den Hof gebracht. Ich war schon mal zwei Wochen auf einem Schwarzwaldhof aktiv, diesmal durfte ich mit einer Tierärztin unterwegs sein, die große Betriebe betreut. Auch wenn ich kein Landwirt bin, mag ich Familienbetriebe , die mit Struktur und Verantwortungsbewusstsein geführt werden. Was mir besonders nah ist: Verantwortung.

Verantwortung ist kein Filmthema, sondern ein Lebensthema. Als Vater weiß ich, wie sich das anfühlt und wie ernst sie ist. Eine Familie zu tragen ist anders als ein Betrieb. In der Familie gibt es keine Kündigung. Aber in beiden Fällen geht es um Menschen und darum, für sie da zu sein, auch wenn es schwer wird.

Krankheiten bei Tieren zum Beispiel sind unvorhersehbar, manchmal existenziell . Dann zeigt sich, wie schnell man reagieren kann, wie rational man bleibt, wie stark die Haltung ist. Gerade in solchen Situationen braucht es Vernunft .

Was das heißt? Für mich bedeutet es, so zu leben, dass man mit sich und anderen im Reinen ist. Ich halte es da mit Kant: Die Maxime des eigenen Handelns sollte verallgemeinerbar sein. Man sollte so handeln, dass es auch für andere gut wäre. Kein einfacher, aber ein heilsamer Weg. Sprache ist für mich wie Musik. Sie hat Rhythmus, braucht Gefühl und gibt Haltung. Wenn ich zu viel vom einen mache, sehne ich mich nach dem anderen. Beides hilft mir, sensibel zu bleiben, für Themen wie Tierwohl, ländlichen Alltag und das, was unsere Gesellschaft gerade braucht: Zuhören.

Wir leben in einer Zeit, in der schnell verurteilt wird. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Diese Haltung macht mir Sorgen. Gerade deshalb ist es wichtig, dass aus Regionen wie Sachsen oder Sachsen-Anhalt Geschichten erzählt werden. Damit wir lernen, dass man auch unterschiedlicher Meinung sein kann, ohne sich zu verlieren.

Die Serie ist keine Antwort auf alles. Aber sie erzählt vom Leben, von Verantwortung, von Entscheidungen. Und vielleicht bringt sie das in Bewegung, was wir brauchen: mehr Vernunft, nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch in den schönen Momenten des Lebens.

Peter Schneider ist Schauspieler und Musiker, bekannt u. a. aus der Netflix-Serie „Dark“ und als Kommissar Lehmann im „Polizeiruf 110“. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Grimme-Preis und einer Nominierung für den Deutschen Filmpreis. Am 5. September ist Schneider um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen.

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