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Bodo Wartke

Eine Seite Vernunft

Bodo Wartke ist Klavier-Kabarettist und Theatermacher. Mit „Barbaras Rhabarberbar“ landete er einen weltweiten viralen Netz-Hit. Am 15. Juli tritt der Wortkünstler auf der Parkbühne Geyserhaus auf.

Bodo Wartke
Bodo Wartke © Sebastian Niehoff

KRISEN? ES KOMMT DARAUF AN, WIE MAN DARAUF SCHAUT

Als ich meine Solo-Theater-Version von „König Ödipus“ auf die Bühne brachte, hätte ich nie gedacht, dass es irgendwann einmal nachgespielt würde vom Staatstheater bis hin zu Schulgruppen. Jetzt zeigen die Leipziger academixer ihre Version davon als Sommerkabarett. Und ich freue mich, dass der etwa 2500 Jahre alte Stoff humorvoll weitertransportiert wird, denn aus meiner Sicht bleibt er aktuell und kann uns entscheidende Denkanstöße geben.

Die antike Tragödie von Sophokles ist bekannt. König Laios wird vorhergesagt, dass ihn sein Sohn Ödipus eines Tages töten wird. Vater und Sohn tun alles, um das zu verhindern. Doch die Ironie des Schicksals ist, dass die Weissagung genau dadurch eintritt. Zudem haben beide auf dem langen Weg dorthin, bis sich das Schicksal erfüllt, eine maximal schlechte Zeit. Doch die Prophezeiung hätte sich auch ganz anders erfüllen können: Ödipus wächst in einer liebevollen Familie auf. Eines Tages erkrankt der Vater schwer und bittet seinen Sohn um Sterbehilfe. Auch dann hätte sich das Schicksal erfüllt – aber in Liebe und Verbundenheit und mit einem schönen Leben bis zu diesem Zeitpunkt.

Wie geht man mit einer vermeintlich ausweglosen Situation um? Was man beeinflussen kann, ist die Art und Weise, wie man ihr begegnet. Kunst löst keine Probleme – aber mit meiner Arbeit kann ich wenigstens dafür sorgen, dass sie sich gut reimen. Und das sorgt im besten Fall für die Möglichkeit, ein schweres oder strittiges Thema mit leichterem Herzen zu betrachten. Das ist schon der erste Schritt, um aus der Ohnmacht zu kommen. Gute Laune sorgt im Idealfall dafür, dass man Dinge anpackt. Oder dass man wieder ins Gespräch kommen kann, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Das merke ich auch in den Reaktionen auf meine politischen Lieder. Sie sind ein Angebot und liefern eine weitere Perspektive für die konstruktive Auseinandersetzung.

Meinen Liedern geht oft ein zähes Ringen um jedes Wort voraus. Jede Lösung, jeder gelungene Reim stiftet in mir Zuversicht. Die besten Reime sind die, die mir zufällig begegnen, weil ich mit offenen Augen losgelaufen bin. Vielleicht lässt sich die Herangehensweise übertragen von der Kunst auf die Welt: Es gibt Lösungen und wir finden sie auch. Und wenn wir Probleme ad hoc nicht lösen, können wir zumindest die Haltung ändern, mit der wir auf sie schauen. In einem meiner Lieder personifiziere ich den Zweifel und die Zuversicht. Sie geraten in Widerspruch. Doch wir haben die Wahl zwischen den beiden. Befeuert durch meine Kunst, bin ich geneigt, die Zuversicht zu wählen.

Bodo Wartke wurde schon mit dem Deutschen Sprachpreis und dem Bayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet. Auf der Parkbühne Geyserhaus tritt er am 15. Juli, 19 Uhr, zusammen mit seiner Schönen-GutenA-Band auf. Die academixer spielen seinen „König Ödipus“ ab 8. Juli im Paulaner Palais. Infos unter www.geyserhaus.de und www.academixer.com

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