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Kolumne

Eine Seite Vernunft

Sarolta Boros Gyevi ist Musikerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie aus Leidenschaft. In unserer Kolumne beschreibt die Pianistin die Verbindung von Musik und Vernunft.

Sarolta Boros Gyevi
Sarolta Boros Gyevi © Máté Gál Photography

Emotionen besser verstehen

Musik ist eine universelle Sprache, die tief in unserer Kultur verwurzelt ist. Sie berührt unsere Emotionen, inspiriert unsere Kreativität und verbindet Menschen. Doch was hat Musik eigentlich mit Vernunft zu tun? Auf den ersten Blick scheinen diese beiden Begriffe durchaus gegensätzlich zu sein – die eine steht schließlich für Emotion und Ausdruck , die andere für Rationalität und Logik.

Vernunft ist das leise Flüstern inmitten des Lärms unserer täglichen Entscheidungen. Sie ist das unsichtbare Band, das unsere Handlungen mit langfristigen Zielen verknüpft und uns daran erinnert, dass Weisheit nicht nur im Augenblick, sondern auch im Nachdenken über das Morgen liegt. In einer Welt voller schneller Urteile und vieler flüchtiger Meinungen bleibt die Vernunft ein wichtiger Anker, der uns Stabilität und Klarheit schenkt.

Das Erlernen und Spielen von Musik fördert kognitive Fähigkeiten, die eng mit der Vernunft verbunden sind. Eine musikalische Ausbildung verbessert das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und das räumlich-visuelle Vorstellungsvermögen. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Musiker in Tests, die logisches Denken und Problemlösungsfähigkeiten erfordern, oft besser abschneiden als Nicht-Musiker. Dies liegt auch daran, dass das Musizieren komplexe mentale Prozesse erfordert, die verschiedene Bereiche des Gehirns aktivieren und vernetzen. Diese muss man natürlich immer wieder trainieren und dazu braucht man eine große Portion Vernunft.

Musiker schwanken ständig zwischen Leidenschaft und Vernunft. Die Begabung möchte man ausleben und einfach genießen. Aber um das tun zu können, muss man viel Vernunft an Bord haben, um die Fähigkeiten zum Musizieren nicht nur zu erarbeiten, sondern auch weiter zu erhalten. Üben macht selten Spaß und ist anstrengend. Aber Vernunft und Zuversicht helfen dabei, viele Anstrengungen zu überstehen, und geben zusätzlich die Kraft, immer wieder weiterzumachen.

Musik kann aber auch als ein wichtiges Werkzeug dienen, um unsere emotionale Intelligenz zu stärken. Sie hilft uns, unsere Emotionen besser zu verstehen und auszudrücken, was wiederum zu einer besseren Selbstreflexion und einem vernünftigen Umgang mit unseren Gefühlen führen kann. Musik ist somit nicht nur eine Quelle der Freude und des Ausdrucks, sondern auch ein ganz wichtiges Mittel der Erkenntnis und der Vernunft.

Sarolta Boros Gyevi hat ungarische Wurzeln und wurde im heutigen Serbien geboren. Ihr Weg führte sie zum Musikstudium nach Leipzig. Als ausgebildete Pianistin und Korrepetitorin steht sie oft im Rampenlicht und arbeitet als Dozentin an der Hochschule für Musik in Leipzig. 2019 folgten die Ausbildungen und Weiterbildungen zur Heilpraktikerin für Psychotherapie und zur Auftrittscoachin. Seit einigen Jahren führt sie eine Privatpraxis in Leipzig (Praxis für selbstbewusstes Leben).

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