Herr Professor Zülch, was bringt der Stadt Leipzig die EM finanziell?
Professor Henning Zülch: Die vier Spiele spülen durch Ticketver- käufe, Gastronomie und Übernachtungen geschätzt 40 Millionen Euro an Einnahmen in die Leipziger Kassen. Die gesamte EM wird Deutschland etwa 250 Millionen Euro an Mehreinnahmen bringen.
Und darüber hinaus?
Zülch: Dazu kommt ein positiver Image-Effekt in Leipzig und Sachsen. In und um Leipzig wird während der EM ein freundliches Klima herrschen. Allein von einem Topspiel wie Frankreich gegen die Niederlande kann eine unheimliche Strahlkraft ausgehen. Diese positive Stimmung wird nicht nur nach außen wirken, sondern auch nach innen.
Welche Auswirkungen kann das mittelfristig haben?
Zülch: Die Wirtschaftsweisen sagen, dass von einer Großveranstaltung kein großes Wirtschaftswachstum ausgeht. Es ist vielmehr ein Stimmungseffekt. Wenn alles gut läuft, sind durch die EM mehr Menschen zufriedener. Dies kann Einfluss auf den Ausgang von Wahlen haben. Das hängt aber auch vom Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft ab.
Und infrastrukturell?
Zülch: Normalerweise sind mit einem Sportgroßereignis hohe Ausgaben in die Infrastruktur verbunden. Das war aktuell nicht großflächig nötig, weil diese Basis noch von der WM 2006 vorhanden ist.
Was zeigen die Lehren aus der WM 2006?
Nach der WM 2006 war Leipzig nicht imstande, das Turnier für sich zu nutzen, weil kein Topclub da war. Jetzt zahlt die EM in eine intakte Fußballstruktur ein. Die EM ist eine einzigartige Chance, die man für Leipzig und den Fußballstandort Sachsen nutzen muss.


