//
//
  • Bühne
„Das Vermächtnis“

Ein Theatermarathon zum Abschied

Mit einem Theater-Kraftakt eröffnet Intendant Enrico Lübbe seine Abschiedssaison am Schauspiel Leipzig: Das Gesellschaftspanorama „Das Vermächtnis“ soll zu einem rund siebenstündigen Theatererlebnis werden.

Das Team um Enrico Lübbe trifft sich zur Konzeptionsprobe von Matthew Lopez’ „Das Vermächtnis“
Das Team um Enrico Lübbe trifft sich zur Konzeptionsprobe von Matthew Lopez’ „Das Vermächtnis“ © Rolf Arnold

Warum muss ein Stück sieben Stunden dauern?

Enrico Lübbe: Weil es Geschichten und Themen gibt, die es wert sind, in diesen Dimensionen erzählt zu werden. Weil wir ein Schauspielensemble haben, das es verdient, sich vor seinem Auseinandergehen noch einmal so zu zeigen. Und weil Theater einer der wenigen Orte ist, an dem wir uns noch gemeinsam Zeit nehmen, eine so berührende Geschichte erzählen zu können. In einer Welt, die immer schneller wird, gehört es zu unserem Auftrag, uns den großen emotionalen und politischen Fragen wie im „Vermächtnis“ in ihrer Komplexität auszusetzen.

Warum finden Sie „Das Vermächtnis“ so passend für unsere Zeit?

Lübbe: Es fragt, was wir voneinander übernehmen – und was wir weitergeben. Es erzählt von Liebe, Verlust, Erinnerung und davon, dass Freiheit nie selbstverständlich ist. In einer Zeit, in der viele Errungenschaften wieder infrage stehen, erinnert es daran, dass sie immer wieder neu verteidigt werden müssen.

Das Schauspielerensemble hat es verdient, sich vor seinem Auseinandergehen noch einmal so zu zeigen. Enrico Lübbe, Intendant des Schauspiel Leipzig

Spielt Ihr Abschied auch eine Rolle für die Länge?

Lübbe: Das kommt sicher hinzu. Nach 14 Jahren am Schauspiel ist diese Produktion eine Art Schlusspunkt. Nicht als Rückblick oder Bilanz, sondern als großes gemeinsames Fest des Ensembles, des Theaters und all dessen, was dieses Haus leisten kann.

Wie gehen Sie in Ihre letzte Saison?

Lübbe: Voller Vorfreude und Dankbarkeit. Wir haben hier gemeinsam so viel aufgebaut und erreicht. Wir durften am Schauspiel Leipzig mit bislang vier Theatertreffen-Einladungen, zehn Mülheim-Einladungen und Festivalteilnahmen in Venedig, Berlin, München und Heidelberg so viele künstlerische und überregionale Erfolge feiern, wie unter keiner Leipziger Intendanz zuvor. Leipzig ist das Schauspiel im deutschsprachigen Raum für Gegenwartsdramatik und für Inklusion und hat viel getan für neue Arbeitsstrukturen zwischen Stadttheater und Freier Szene. Das Haus ist sehr gut ausgelastet, erreicht ein Publikum aus allen Generationen und steht selbst in diesen herausfordernden Zeiten wirtschaftlich noch auf einem stabilen Fundament. Viel mehr kann ich mir gar nicht wünschen.

„Das Vermächtnis“
Premiere: 3. Oktober, 15 Uhr
Schauspiel Leipzig
öffentliche Probe am 8. September, 19 Uhr

Alle Infos und Tickets unter
www.schauspiel-leipzig.de

« zurück
zur aktuellen Ausgabe