Bald feiert die sportinteressierte und hoffentlich friedlichere Welt die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Eine, die sich jetzt schon fleißig auf ihre Teilnahme vorbereitet, ist die in Sachsen geborene Rebekka Haase, die den Beinamen „Schnellste Flöte der Welt“ trägt. Ist Flötespielen jetzt schon Wettkampfdisziplin? Wie trainiert man schnelles Flötenspiel? Oder ist alles ganz anders? Wie so oft! Ahoi-Redakteur Volly Tanner rannte Rebekka Haase entgegen und fing sie für ein paar Fragen und Antworten ab:
Ahoi: Guten Tag, Rebekka Haase. Du bist die schnellste Flöte der Welt, so schrieb mir eine befreundete Medienmacherin. Wo bist Du denn an der Flöte und was machst Du ganz schnell – für die, die Dich nicht aus dem Fernsehen kennen?
Rebekka Haase: Ich hatte das Glück, in einem musikalischen Haushalt aufzuwachsen und durfte mir schon als Kind ein Instrument wählen, welches ich gern lernen möchte. Ich habe mich für die Querflöte entschieden und bin dann auch ins Orchester in meinem Heimatort Thum eingestiegen. Zeitgleich wurde immer deutlicher, dass ich ein Talent zum schnell rennen habe. Und nach meiner ersten Weltmeisterschaft wurde ich von meinem Orchester als schnellste Flöte der Welt bezeichnet.
Ahoi: Du bereitest Dich gerade intensiv auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris vor. Ich las von unkonventionellen Trainingseinheiten. Kannst Du uns dazu etwas erzählen, bitte?
Rebekka Haase: Wenn man unser Training von außen betrachtet, sieht wahrscheinlich einiges unkonventionell aus. Tatsächlich ist alles keine Zauberei, sondern es sind einfach kleine Tricks, um noch mal besser auf die Stärken jedes einzelnen Athleten einzugehen. Von welchen Trainingseinheiten da speziell geschrieben wurde, kann ich nicht einmal sagen.
Ahoi: In der Vorbereitungszeit für die Olympischen Spiele – wie muss ich mir denn da Dein Trainingsaufkommen vorstellen? Wie oft und was trainierst Du?
Rebekka Haase: Tatsächlich ändert sich an einem Trainingsplan für ein olympisches Jahr nichts. Ich bleibe in meinem bekannten Trainingsrhythmus. So habe ich von Montag bis Samstag jeweils eine große Trainingseinheit. Je nach Trainingsblock setzen wir in den Einheiten unterschiedliche Schwerpunkte. Von allgemeinem Fitnesstraining, Koordination, Sprünge, Tempoläufe, Techniktraining und Krafttraining ist alles dabei. Bei der harten Belastung darf vor allem die Regeneration nicht fehlen. Zum Teil gibt es auch da gezielte Trainingseinheiten. Oft ist das aber meine eigene Verantwortung nach dem Training meinen Körper so zu pflegen, dass ich am nächsten Tag wieder fit auf der Bahn stehen kann.
Ahoi: Und bleibt da noch Luft, mit dem Orchester zu musizieren?
Rebekka Haase: Für mich war und ist die Musik ein unersetzbarer Ausgleich zum Sport. Über viele Jahre habe ich mir Zeit für das Orchester nehmen können. Aktuell geht das leider nicht mehr. Nichtsdestotrotz musiziere ich zu Hause für mich.
Ahoi: Ich las, dass Du Deine Flöte in Deine Trainingspläne integrierst. Wie denn das?
Rebekka Haase: Tatsächlich ist es eher eine Form der Veranschaulichung, die mein Trainer und ich uns zunutze machen. Vor allem bei Techniktrainingseinheiten geht es um kleine Details, die verändert werden müssen. Manchmal kommt man mit ein und demselben Hinweis nicht weiter und muss eine andere Kommunikation finden. Wenn es speziell um den Rennrhythmus geht, sind Metaphern rund um die Musik zum Teil anschaulicher für mich und ich kann leichter fühlen, was mein Trainer im Rennverlauf von mir sehen will.
Ahoi: Wenn man sich Deinen Medaillenspiegel anschaut, erblasst man – also ich – das sind ja mittlerweile ganz schön viele. Was machst Du damit? Ich kannte mal einen Sportler, der hat seine Medaillen einfach in eine Kiste geworfen, weil er sagte, dass es ihm nur um den Sport gegangen wäre. Was machst Du?
Rebekka Haase: Bei mir kommt es auf die Medaille an. Viele Medaillen hängen bei meinen Eltern an einem Brett, andere sind in einer Erinnerungsbox. Die Medaillen, die mir besonders wichtig sind, habe ich eingerahmt in meiner Wohnung hängen.
Ahoi: Du trainierst seit vielen Jahren mit Jörg Möckel. Ich stelle mir das schwierig vor, so viele Jahre. Was für ein Verhältnis habt ihr? Wie muss man sich solch eine Trainingshierarchie vorstellen? Oder ist das eher so Teamwork?
Rebekka Haase: Jörg und ich sind in unser 19. gemeinsames Jahr gestartet. Das ist schon wirklich eine lange Zeit. Wir sind zusammen vom Kindertraining bis zur deutschen Nationalmannschaft gekommen. Es ist einfach, miteinander umzugehen, weil wir uns genau kennen, unsere Stärken bewusst einbringen und uns gegenseitig unterstützen und weiterzuentwickeln. Natürlich ist er im Training der Chef und trifft die Entscheidungen. Trotzdem ist es insgesamt ein super Teamwork, weil wir unsere Meinungen und Feedbacks gegenseitig sehr zu schätzen wissen.
Ahoi: Danke, liebe Rebekka, dass Du Dir Zeit nehmen konntest. Und natürlich wünschen wir Dir größte Erfolge!
