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  • Kunst
Vom 14. März bis 18. April

Ein Anfang im Bademantel

Längst gehört die Galerie Eigen + Art zu den Großen der Branche. Im März öffnet die 1983 von Gerd Harry Lybke gegründete Galerie erstmals ihr Archiv – und gibt Einblicke in die wilden Jahre ihrer Anfänge.

Gerd Harry Lybke eröffnet 1983 in seiner Wohnung eine Ausstellung im Bademantel
Gerd Harry Lybke eröffnet 1983 in seiner Wohnung eine Ausstellung im Bademantel © Thomas Steinert, Archiv Galerie EIGEN + ART

Es hätte auch anders kommen können: 18 Aktenordner hatte die Stasi über ihn gefüllt, fünf Spitzel auf ihn angesetzt. Denn Gerd Harry Lybke, kurz Judy, war erst aus der NVA aussortiert worden und schlug danach einen Studienplatz in der Sowjetunion aus.

Lybke beschrieb das in einem Interview mit Sarah Alberti und Birgit Grimm für „Kunstszene/ Ost“ einmal so: „Ich habe die Hand des Vaters ausgeschlagen. Danach war Feierabend.“ Zumindest was eine normale Laufbahn anbelangte.

Doch Lybke öffnete unter den Argusaugen des Staates 1983 einfach in seiner Wohnung in der Körnerstraße 8 eine Galerie. An der Tür erschien er im Bademantel, um den Anschein einer privaten Veranstaltung zu wecken. Schließlich war der Galeriebetrieb nicht genehmigt.

„Haben Grenzen ausgelotet“

„Wir hatten keine Karriere mehr vor uns, weil es vom Staat so gewollt war, dass wir nicht weiterkamen. Dadurch konnten wir sehr frei agieren“, so Lybke. „Wir haben die Grenzen ausgelotet und unseren Spaß gehabt.“ 58 Ausstellungen in fünf Jahren sind entstanden. Mit Künstlern aus Lybkes Freundeskreis, die keine Chance hatten, innerhalb der staatlichen Strukturen auszustellen.

Bei Eigen + Art fanden sie einen Platz. „Wir waren einfach naiv genug, um zu tun, was wir wollten“, sagt Lybke. Jetzt öffnet die Galerie erstmals ihr Archiv und nimmt mit der Ausstellung „Ansichten über einen Raum 1983 – 1990“ die eigene Geschichte in den Blick mit Ausstellungsdokumentationen, Fotografien, druckgrafischen Ausstellungsplakaten und Videos. Dazu gesellen sich Presseberichte aus der Zeit.

Außerdem erscheint eine Publikation mit zahlreichen Interviews, die Sarah Alberti von 2014 bis 2023 mit Lybke führte.

Wir waren einfach naiv genug, um zu tun, was wir wollten. Gerd Harry Lybke, Galerist und Gründer der Galerie Eigen + Art vertritt heute über 36 internationale Künstler

Zeitdokumente aus den Achtzigern

Eine große Rolle spielen in der Ausstellung Arbeiten der Fotografin Karin Wiekhorst. Sie fotografierte in den 1980er Jahren die Serie „Begegnungen in Ateliers“ und hat damit ein einzigartiges Zeitdokument geschaffen. Heute vertritt Eigen + Art mehr als 36 internationale Künstler, darunter Stars wie Neo Rauch.

Nach temporären Galerien von Tokio bis New York Anfang der 90er Jahre ist Eigen + Art dauerhaft in Berlin präsent – und weiterhin in Leipzig. 2005 zog die Galerie auf das Spinnereigelände.

„Ansichten über einen Raum 1983 – 1990“
Galerie Eigen + Art
14. März bis 18. April
​​​​​​​www.eigen-art.com

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