//
//
    Die Serie beginnt 2012 – mit dem Weltuntergang, an den sich bestimmt noch viele erinnern …

    Gespräch mit dem Schriftsteller und Verleger der Edition SOLAR-X Wilko Müller jr.

    Der Verleger und Schriftsteller Wilko Müller jr. auf der ELSERCON 2024 © Volly Tanner

    Auf der Leipziger Elstercon 2024 Ende September traf sich die erste Liga der SF-Szene mit Fantastikfreunden und anderen feinen Menschen, die in der Zukunft nach Lösungen fahnden. Neben Aiki Mira, Boris Koch und Denis Scheck war auch Wilko Müller jr. dabei, der die wunderbaren Bücher der von ihm gemeinsam mit seiner charmanten Gattin geführten Edition SOLAR-X vorstellte. Ahoi-Redakteur Volly Tanner ließ es sich nicht nehmen, ihn vor die Linse zu holen und zu befragen:

    Ahoi: Guten Tag, Wilko Müller jr. Sie sind, gemeinsam mit Ihrer Frau, das Spitzenteam der Edition SOLAR-X. Neben vielen anderen fantastischen Bücher verlegen Sie die Alexander-Kröger-Werkausgabe. Man sollte wissen, dass Krögers Bücher in einer Gesamtauflage von 1,6 Millionen Exemplaren lesbar sind. Für die vielen Unwissenden: Wer war Kröger? Und wie kam es zu diesem verlegerischen Projekt?

    Müller: Die Werkausgabe umfasst alle 20 Science Fiction Bücher Krögers. Unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Routschek veröffentlichte er auch andere Texte, daher benutzte er für die Fantastik ein Pseudonym. Kröger war einer der bekanntesten SF-Autoren der DDR. Seine Bücher wurden bei mehreren Verlagen gedruckt, vor allem in der Reihe „Spannend erzählt“. Nach der Wende schrieb er weiter und brachte seine Bücher im Eigenverlag heraus. Auf einer Leipziger Buchmesse kamen wir ins Gespräch – wir kannten uns schon länger – und beschlossen, seine „gesammelten Werke“ noch einmal herauszubringen. Das wäre beinahe schiefgegangen, denn der Verlag, für den ich damals arbeitete, ging pleite. Als ich die Edition SOLAR-X startete, vollendeten wir das Projekt dann im zweiten Anlauf. Leider erlebte Kröger das nicht mehr, denn er starb 2016 an den Folgen eines Autounfalls.

    Ahoi: In Ihrem wundervollen Verlag erscheinen auch die in meiner Kindheit für mich extrem wichtigen Wilhelmine-Bücher von Konrad Potthoff. Wie kam es zur Neuauflage? Und verstehen die Kinder von heute den Witz und den Charme von Wilhelmine überhaupt noch?

    Müller: Auch dieses Buch haben wir auf Wunsch des Autors aus dem früheren Verlag mitgenommen. Der Miteigentümer des Verlages K. Potthoff hatte schon dort die beiden Bücher plus eine Bonusstory in einem Band veröffentlicht. Wir legten das Buch dann bei uns neu auf.
    Ja, ich denke, dass Kinder die Wilhelmine auch heute noch verstehen. Ich las vor einigen Jahren anlässlich eines Lesetages in einer Grundschule aus dem Buch vor und da hatte ich durchaus diesen Eindruck.

    Ahoi: Sie selbst schreiben doch auch … ich habe da so Fanzines daheim, da schwirren Geschichten von Ihnen im All. Wie steht es denn damit derzeit aus?

    Müller: Inzwischen habe ich 25 Bücher mit Science Fiction und Fantasy gefüllt. Zwei davon sind Sammlungen der Kurzgeschichten, die vorher z.T. in Fanzines erschienen. Im Augenblick schreibe ich gerade nichts, bzw. das schon angefangene Projekt liegt auf Eis. Das liegt an mangelnder Zeit. Ich bin ja nicht hauptberuflich als Verleger tätig, sondern muss mein Geld anders verdienen.

    Ahoi: Und wer ist dieses ominöse Fräulein Schmidt?

    Müller: Genau das war die Frage, um die sich der erste Teil meiner siebenbändigen Taschenbuchserie drehte. Spoiler: Sie ist eine Maya-Göttin, die seit langer Zeit unerkannt unter uns Menschen lebt. Die Serie beginnt 2012 – mit dem Weltuntergang, an den sich bestimmt noch viele erinnern, obwohl er nicht stattfand. Daran war übrigens Fräulein Schmidt nicht unbeteiligt. In den folgenden Bänden erlebt sie mit ihren Begleitern noch so einige Abenteuer, die sie um die ganze Welt und zu vielen anderen alten Göttern führen.

    Ahoi: In Ihrem Verlag gibt es nicht nur SF, sondern auch Horror, Krimi, Kinder- und Jugendliteratur, Fantastik etc. Wie suchen Sie aus? Wie kommen die Texte zu Ihnen? Wie entscheiden Sie, was veröffentlicht wird?

    Müller: Der Schwerpunkt liegt auf der Fantastik, aber im Laufe der Zeit kamen auch ein paar andere Genres dazu, da wir anfangs „offen für alles“ waren. Wenn uns das Buch inhaltlich und auch sprachlich gefiel, dann machten wir es. Leider zeigte sich, dass das bis auf wenige Ausnahmen ein Fehler war. Als Kleinverlag haben wir nur sehr wenige Werbemöglichkeiten oder Verkaufskanäle. Letztere sind logischerweise auf unsere Verbindungen ins SF-Fandom konzentriert. Wenn dann die Autoren nicht selbst sehr aktiv sind, kann man ein Buch nicht verkaufen. Daher haben wir uns in letzter Zeit wieder auf das Kerngeschäft Fantastik zurückgezogen. Normalerweise bekommen wir unverlangte Manuskripte per Email. Die sichten wir und dann entscheiden wir gemeinsam, ob wir es machen.

    Ahoi: Wir trafen uns auf der ELSTERCON 2024, einer sehr sympathischen, fast schon persönlichen CON. Trifft man Sie auch auf anderen Cons? Wo bekommt man Ihre Bücher noch so?

    Müller: Früher fuhren wir auch zu anderen Cons, aber das sind inzwischen immer weniger geworden und die noch verbliebenen sind für uns Randberliner einfach zu weit weg. Man muss da durchaus Kosten und Zeitaufwand den zu erwartenden Verkaufserlösen gegenüberstellen. Die Bücher gibt es bei Amazon, Booklooker und in einem eigenen Webshop unserer Homepage. Man kann sie natürlich auch über den Buchhandel bestellen, wenn man möchte. Leider machen sich nicht viele Händler die Mühe, bei einem Kleinverlag zu ordern.

    Ahoi: Und was steht demnächst so an? Verlegermenschen planen ja immer schon etwas vor … können Sie das Tuch über dem (Andromeda)Nebel etwas für uns lüften?

    Müller: Aktuell wird ein weiteres unserer Bücher ins Englische übersetzt. Danach habe ich vor, eine überarbeitete Neuauflage meines Buches „Mandragora“ zu bringen, das z.Z. vergriffen ist. Vielleicht habe ich dann sogar Zeit, an der Fortsetzung meiner Memoiren weiterzuarbeiten. Falls uns mal wieder ein gutes Manuskript geschickt wird, kann das auch recht schnell auf die To Do Liste geraten.

    Ahoi: Danke für Ihre Zeit und Ihr Engagement für unsere Literaturszene.

    « zurück
    zur aktuellen Ausgabe