Das Leben ist immer auch Veränderung. Frühling, Sommer, Herbst und Winter, der Lauf der Gezeiten, Ebbe und Flut, Tag und Nacht. Wenn wir Menschen uns der alten Lebensweise mit der Natur wieder etwas annähern, können wir Krisen und Brüche auch wieder als Möglichkeiten zur Veränderung verstehen.
Kristina Fernes war schon an einigen Gestaden tätig, jetzt lebt sie ihre Talente in Keramik aus. Und schafft faszinierende Dinge, die jede Wohnstatt verschönern können. Ahoi-Redakteur Volly Tanner traf sie:
Ahoi: Guten Tag Kristina Fernes. Auf dem Adventsmarkt auf dem Gutshof Stötteritz kamen wir miteinander ins Gespräch. Du schaffst faszinierend filligrane Keramik, Stücke, die wie Sommerurlaub auf den Kanaren wirken. Was für eine Technik nutzt Du denn? Es gibt ja unterschiedlichste Möglichkeiten, Keramik zu erstellen …
Kristina Fernes: Hi Volly, da fühle ich mich aber geschmeichelt. Ich liebe die Kanaren nämlich sehr, ganz besonders La Gomera (wo ich übrigens auch schon Keramik verkauft habe). Da ich meinen Stücken gerne eine Textur verleihe, arbeite ich oft mit Gipsformen, in die ich beispielsweise ein Spitzendeckchen lege. Ich habe mittlerweile einen riesigen Fundus davon. Für flache Werke wie meine Schmucktellerchen rolle ich den Ton mit dem Nudelholz aus. Jede Menge Schichten an Pinselglasur sorgen für die Farbvielfalt.
Ahoi: Woraus ziehst du Deine Inspirationen? Schmuddel-Herbst oder Nieselwinter in Leipzigs Innenstadt inklusive E-Roller-Raser und Dauerstress durch Reizüberflutung kann es ja nicht sein. Erzähl doch mal bitte.
Kristina Fernes: Haha, stimmt! Ich würde sagen, dass mich das Meer als ewiger Sehnsuchtsort sehr inspiriert. Blau, Türkis und Grün findest du bei mir in allen Facetten, außerdem muschelartige, organische Formen. Die Natur ist generell eine gute Impulsgeberin. Ich habe einen Garten mit einem kleinen Sommerhaus, es ist ein Genuss, dort kreativ zu sein, immer in Begleitung von meinem Hund Theo und meinem Kater Coco. Last but not least gibt es online so viel wertvollen Austausch mit Künstlern auf der ganzen Welt – ein unermesslicher Schatz an Wissen.
Ahoi: Wie bist du denn zur Keramik gekommen? Wie begann es bei Dir?
Kristina Fernes: Ich bin regelmäßig auf Töpfermärkte gegangen und war total fasziniert von den vielen unterschiedlichen Arten von Keramik. Irgendwann kam der Gedanke auf: Vielleicht kann ich das ja auch lernen? Und so habe ich dann in einer Stötteritzer Werkstatt zum ersten Mal Ton in der Hand gehabt. Heraus kam ein ziemlich schiefer Aschenbecher (oder so ähnlich). Ja, und dann bin ich einfach drangeblieben. Also, hier ein Grundkurs, da eine offene Werkstatt. Und ganz viel learning by doing.
Ahoi: Auf Deinem Linkedin-Profil habe ich gesehen, dass Du auch viele Jahre im journalistischen Segment und als Übersetzerin gearbeitet hast. Jetzt weiß ich um den, wohlwollend sagen wir „Transformations-Prozess“, gerade dieser Berufsgruppen, gerade durch den unüberlegten Einsatz von KI. Wie hat dieser Prozess Dich erwischt und welche Schlüsse hast Du für Dich ganz persönlich daraus gezogen?
Kristina Fernes: Mich hat der Prozess leider recht intensiv erwischt. Das allgemeine Auftragsvolumen hat deutlich abgenommen, und die Aufträge, die ich bekomme, bestehen im Wesentlichen aus dem Editieren von maschinell übersetzten Texten. Dafür gibt es nur ein sehr kleines Gehalt, obwohl die Qualität der von der KI übersetzten Texte oft ganz schön zu wünschen übrig lässt.
Ahoi: Zurück zur Keramik. Wo kann man denn Deine Produkte beziehen? Du musst ja auch von Deiner Arbeit leben können.
Kristina Fernes: Seit kurzem habe ich einen etsy-Shop (endlich!). Dort kann man richtig schön stöbern. Und gerade lerne ich das Verkaufen auf Märkten kennen und lieben. Für nächstes Jahr habe ich mir vorgenommen, einmal pro Monat einen Markt zu machen, sehr gerne auch über die Region Leipzig hinaus – ich bin so gerne unterwegs.
Ahoi: Bei der Hintergrundrecherche fiel mir auf, dass Dein Label LUNASOL auch für ein japanisches Kosmetikunternehmen steht, in der Schweiz für Küchengeräte und eine spanisch-deutsche Band namens Lunasol gibt es auch noch. Was ist LUNASOL für Dich?
Kristina Fernes: Der Name LunaSol ist zu einer Zeit entstanden, als ich regelmäßig auf La Gomera war und sehr gerne mit Sonnen- und Mondmotiven gearbeitet habe. Beide sind für mich wegen ihrer zyklischen Natur ein Symbol für Entstehungs- und Schöpfungsprozesse – wie ja auch das Herstellen eines Kunstwerks eines ist. Gleichwohl sind sie in meinen Werken mittlerweile eher in den Hintergrund getreten, und es könnte sogar sein, dass ich meinen Namen irgendwann nochmal ändere … Es bleibt also spannend (schmunzelt).
Ahoi: Menschen, die sich die Zeit nehmen, können erkennen, wie viel Arbeit in Deinen Produkten steckt. Dafür braucht es jedoch auch die Möglichkeit des Einzelindividuums, sich aus der Dauerbeballerung mit „Müssen, Sollen, Unbedingt, Größer“ zu lösen. Durchatmen ist oft schwierig. Welche Erfahrungen hast du gemacht beim Verkauf Deiner Produkte. Lassen sich die Menschen auf Dich und Deine Arbeit ein?
Kristina Fernes: Ja, absolut. Der Stötteritzer Adventsmarkt, auf dem wir uns getroffen haben, ist ein gutes Beispiel dafür, dass es immer noch Menschen gibt, die Kunsthandwerk zu schätzen wissen. Ich war überrascht, wie viele Leute sich zum Beispiel für den Herstellungsprozess meiner muschelartigen Schalen mit ihrer besonderen Oberflächenstruktur interessiert haben. Gerade in den Zeiten von KI macht das wirklich Mut und Hoffnung.
Ahoi: Dann wünschen wir Dir weiterhin viel Freude bei all Deinem Tun und viel Freude hier auf unserer gemeinsamen Welt.
Kristina Fernes: Vielen lieben Dank, Volly. Das wünsche ich Dir auch.


