Rembrandts Haus in Amsterdam glich einer Akademie. Die Beziehung zwischen dem Werk von Meister und Schülern zeigt derzeit das Museum der bildenden Künste. Die breite Hutkrempe wirft einen Schatten, plastisch zeichnet sich darunter die kräftige Nase ab. Unverkennbar Rembrandt – und doch ist das Bild kein Selbstporträt, wie man lange glaubte. „Seine Schüler lernten am Selbstbildnis Rembrandts, das sie kopierten und variierten. Es ging um die plastische Wiedergabe mit dem Ziel, ein emotional ansprechendes Bild zu schaffen“, sagt Jan Nicolaisen, der im Museum der bildenden Künste die Ausstellung „Impuls Rembrandt“ kuratiert.
Spannende Grauzone
Rembrandt oder ein Schüler? Diese Frage habe lange den Diskurs bestimmt, sagt Nicolaisen. Aber: „Genau diese Grauzone ist das Spannende.“ Hier lässt sich erforschen, was und wie die Schüler des bedeutendsten holländischen Malers des 17. Jahrhunderts lernten. Maler stellten in dieser Zeit üblicherweise Gehilfen ein und verkauften deren Werke unter eigenem Namen. Doch Rembrandt schuf neue Maßstäbe. „Keiner hat über so viele Jahre so viele Schüler angezogen im nördlichen Europa“, sagt der Kurator.
In den Niederlanden hatte sich im 17. Jahrhundert der potenteste Kunstmarkt Europas ausgebildet. Rembrandt kam zu Ruhm, indem er das Porträt erneuerte. Er verbannte Steifheit und repräsentative Pose und gelangte auch in den einst beliebten Gruppenporträts durch Komposition, Plastizität, Licht und Schatten zu emotional ansprechenden, lebendigen Ergebnissen.
Kunstproduktion des 17. Jahrhunderts
Auch in Theaterbesuchen hat Rembrandt wohl seinen Blick für den Ausdruck einer Figur geschult. „In meinen Augen hat er Regie-Unterricht gegeben. Er befähigte seine Schüler, zu erzählen“, sagt Nicolaisen, der die Ausstellung als Schule des Sehens verstanden wissen will. „Wir zeigen eine Reihe von Beispielen, die über Jahrzehnte als Werke Rembrandts galten und für viel Geld in Sammlungen kamen, aber aus heutiger Sicht von Schülern stammen. Das heißt aber nicht, dass sie qualitativ schlechter sind.“ Im Vergleich entsteht ein Einblick in die künstlerische Produktion des 17. Jahrhunderts. [dir]
Ausstellung „Impuls Rembrandt. Lehrer, Stratege, Bestseller“, 3. Oktober bis 26. Januar, Museum der bildenden Künste, weitere Infos unter www.mdbk.de
ZITAT:
„In meinen Augen hat Rembrandt Regie-Unterricht gegeben. Er befähigte seine Schüler, zu erzählen.“ Jan Nicolaisen, Leiter Malerei und Skulptur am Museum der bildenden Künste



