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Norwegen als Gastland

Der Norden erzählt

Mit 40 Schriftstellern präsentiert sich Norwegen als Gastland bei der Leipziger Buchmesse vom 27. bis 30. März. Neben großen Namen wie Karl Ove Knausgård und Maja Lunde gibt es viele Entdeckungen.

Bergen feiert das Buch jedes Jahr mit seinem Literaturfest
Bergen feiert das Buch jedes Jahr mit seinem Literaturfest © Dimo Rieß

Norwegen ist groß und lang und weilig“, dichtete einst Hape Kerkeling. Jetzt stellen sich die Skandinavier bei der Leipziger Buchmesse als Gastland vor. Mit einer Autorenliste, die in der Tat lang, aber keineswegs weilig ist.

Bei gerade mal 5,5 Millionen Einwohnern gedeiht eine erstaunlich vielseitige Literaturlandschaft. 2023 ging der Literaturnobelpreis zuletzt nach Norwegen an Jan Fosse. Dabei steht die norwegische Literatur für weit mehr als Krimi und autofiktionales Erzählen, das durch Karl Ove Knausgård an Popularität gewonnen hat.

Rund 40 Schriftsteller reisen nach Leipzig – mit literarischen Überraschungen vom schmalen, sehr poetischen Band von Kjersti Anfinnsen bis zum 1.100 Seiten schweren Koloss Johan Harstads.

Ungewöhnliche Perspektiven

Anfinnsen ist mit „Letzte zärtliche Augenblicke“ ein literarisches Kleinod gelungen. Mit dem Blick der einstigen Herz-Chirurgin Brigitte breitet sie eine überraschende, in der Literatur kaum präsente Perspektive aus. Das gelingt in kurzen, so pointiert wie zart verfassten Momentaufnahmen, Reflexionen und Erinnerungen.

Woraus sich ein nachdenklich machendes Mosaik zusammensetzt, das eine Frau zeigt, die sich nicht mehr als Mensch, sondern als alte, an den Rand gedrängte Person wahrgenommen fühlt. Anfinnsen war an einem größeren Romanprojekt gescheitert. „Die kurzen Texte habe ich aus der Frustration über die verschwendete Zeit geschrieben“, erzählt die Autorin. Erst später erkannte sie die Kraft der Textelemente und den Weg zum neuen Roman, der in ihnen steckte.

Das Ende einer Ära?

Harstad dagegen greift in „Unter dem Pflaster liegt der Strand“ kühn aus und verbindet einen magischen Stein, der einen ein ganzes Leben erfahren lässt, mit fiktionalisierter Geschichte, in der auch Erich Mielke nicht fehlt. „Es ist ein Roman über Zeit. Und zugleich ein Protest gegen den wachsenden kollektiven Mangel an Konzentration“, sagte Harstad im Februar beim Literaturfestival in Bergen. „Vielleicht stehen wir am Ende einer Ära, in der man solche Bücher noch veröffentlichen kann. Es ist wirklich ein dickes Buch, aber ich schäme mich nicht dafür.“

Mehr Infos zum Gastland Norwegen unter
www.leipziger-buchmesse.de

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