- Bühne
Der Mann mit der Schatztruhe

Sie choreografieren anders als ihr Vorgänger Mario Schröder nicht selbst, sondern engagieren Gastkünstler. Was bedeutet das für das Ensemble?
Fichet: Verschiedene Handschriften sind eine Herausforderung, doch zugleich eine Bereicherung für Ensemble und Publikum. Ich finde es wichtig, sich anderen Sichtweisen zu öffnen und keine Routinen aufkommen zu lassen.
Wovon lassen Sie sich leiten?
Fichet: Ende der 90er Jahre wurde das klassische Ballett als altmodisch abgestempelt. Ich fand das sehr schade, weil ich es liebe und in Paris an der Staatsoper getanzt habe, ein Haus der Tradition. Doch mit der Abkehr von der Klassik kam eine großartige Zeit der Innovation – es ist eine neue Bewegungssprache entstanden. Heute können wir diese Techniken verschmelzen. Diese Reise ist sehr spannend, und die „Die Mondprinzessin“ im April kann ein wichtiger Schritt auf diesem Weg sein.
Inwiefern?
Fichet: Choreograf Martin Chaix forscht intensiv an der neoklassischen Sprache. Außerdem möchte ich für das Haus neue Handlungsballette kreieren. Eines davon wird „Die Mondprinzessin“ sein, ein altes japanisches Märchen.
Es muss menschlich passen. Denn Kunst muss nicht weh tun, um gut zu sein.
Worauf achten Sie bei der Wahl der Choreografen?
Fichet: Nicht nur das Produkt muss stimmen, ebenso der Weg dahin. Es muss menschlich passen. Denn Kunst muss nicht weh tun, um gut zu sein. Choreografen wie Sofia Nappi und Louis Stiens, die bei uns „Humans“ choreografiert haben, sind Humanisten und Forscher. Sie kommen mit einer Idee, nehmen aber zugleich auf, was das Ensemble mitbringt. Ein Ensemble besteht aus eigenständigen Künstlern und Künstlerinnen, die etwas zu sagen haben.
Wie öffnen Sie dem Ensemble Räume?
Fichet: Gerade ist das neue, kleine Format „Out of the Box“ für Ensemblemitglieder angelaufen, die noch nie choreografiert haben. Ein Abend für Experimente ohne Erfolgsdruck. Es ist die Vorstufe zu „Black Box“, wo sich unsere bereits erfahrenen Choreografietalente präsentieren.
Sie betrachten Ihr Ensemble als kreativen Schatz?
Fichet: Ja, es ist wirklich ein großer Schatz. Ich bin so glücklich darüber. Meine Aufgabe ist es, die Anstöße zu geben, damit sich etwas entwickeln kann. Für mich ist das der beste Job der Welt!
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