• Leipzig engagiert sich
Tante E.

Der Engel von Leipzig

Gabi Edler kümmert sich seit fast 30 Jahren um Leipzigs Straßenkinder, seit 17 Jahren mit dem Verein „Straßenkinder e. V.“. Ans Aufhören denkt die 77-Jährige noch lange nicht.

Gabi Edler ist mit ihrem Verein „Straßenkinder e. V.“ eine Leipziger Institution © Pamela Parche

Engel von Leipzig“ wird sie manch­ mal genannt. Gabi Edler ist seit fast 30 Jahren für Kinder, Jugend­liche und junge Erwachsene, die Not leiden, da. Daraus wurde der 2003 von ihr mitgegründete Verein „Straßenkinder e.V.“ mit dem Vereinshaus „Tante E.“ in der Rosa-Luxemburg­-Straße nahe dem Hauptbahnhof. Hier erhalten Hilfsbe­dürftige zwischen 14 und 27 Jahren eine warme Mahlzeit, frische Kleidung und Gelegenheit zum Duschen und Wäsche­ waschen. Und das 364 Tage im Jahr.

Auch Unterstützung bei Bewerbun­gen, Behördengängen und bei der Woh­nungssuche bietet das Team, zu dem unter anderem vier Festangestellte zählen. „Ich muss einfach helfen“, erklärt Edler. Die Hilfsbereitschaft habe sie von ihrer Mut­ter mitbekommen. Anfang der 90er­Jahre nahm die ehemalige Straßenbahnfahrerin bis zu 20 Straßenkinder in ihrer eigenen Wohnung auf. Auch einen Hund rettete sie schon einmal aus einer Mülltonne vor dem Tod und pflegte ihn zu Hause – 13 Jahre lang.

Komplett aus Spenden finanziert

„Straßenkinder e. V.“ finanziert sich kom­plett aus Spenden. Die kommen von Privatpersonen, von großen Unternehmen wie Porsche, Sportvereinen wie RB Leipzig oder sogar von Schulklassen. Ein Plakat an einer Wand verrät, dass Schüler ihr Taschengeld spendeten, 150 Euro insge­samt. „Das ist doch der Wahnsinn“, sagt Edler. Die Lebensmittel kommen von Globus und REWE. An vier Tagen in der Woche fahren die Mitarbeiter auf Ein­kaufstour, um Brot, Kuchen, Joghurt, Obst, Gemüse und vieles mehr abzuho­len. Manchmal kommt so viel zusammen, dass sie die überzähligen Waren an andere soziale Vereine weiterreichen.

Oft bereiten sie in der Küche die Mahl­zeiten selbst zu, manchmal werden fertig zubereitete Speisen von Hotels geliefert. Beim Ahoi­-Termin kommen Nudeln mit Fleisch und Soße auf den Tisch. Kurz nach elf Uhr stehen die ersten jungen Männer hungrig vor der Tür. Edler schaut hinaus, als ob sie ihre Kinder zum Mittagessen ruft. „Ohne ‚Tante E.‘ wäre es sehr schwie­rig für uns“, sagt einer von ihnen.

Ferienlager musste ausfallen

Während des Corona-­Lockdowns konn­te dank einer Sondergenehmigung von 11 bis 14 Uhr geöffnet werden. So war zu­ mindest mittags eine warme Mahlzeit drin, für später händigten die Mitarbei­ter einen Beutel mit Abendbrot aus. Sehr traurig waren alle, dass das Ferienlager für die Straßenkids am Kulkwitzer See aufgrund der Pandemie ausfallen muss­te. Edler hofft, dass die große Kinder­ Weihnachtsfeier im Veranstaltungssaal des Straßenbahnhofs Angerbrücke wieder stattfinden darf, bei der im Vorjahr 186 Kinder der Arche und aus Kinderheimen glücklich gemacht wurden.

Edler gibt weiter alles für ihre Schütz­ linge. Ans Aufhören denkt sie trotz ihrer 77 Jahre und so mancher körperlicher Wehwehchen nicht. 

Die haben mich alle abgeknutscht. Gabi Edler

3 Fragen an Gabi Edler, Vorsitzende des Vereins „Straßenkinder e. V.“

 

Wie vielen Straßenkindern haben Sie insgesamt geholfen?

Ich habe keine Ahnung, wahrscheinlich vielen Hundert oder sogar Tausend.
Am Monatsanfang kommen nicht so viele, aber Mitte des Monats, wenn das
Geld alle ist, kommen immer mehr. Sogar aus Hannover oder Frankfurt haben sich schon welche auf den Weg gemacht.

Verfolgen Sie die Lebenswege Ihrer Kids?

Natürlich. Aus vielen ist doch was geworden. Einer besitzt sogar ein Fitnessstudio in Leutzsch. Alle konnten wir nicht retten, aber doch sehr viele.

Nimmt die Spendenbereitschaft zu oder ab?

Die ist weiter sehr hoch. Ich war erst kürzlich bei Porsche. Da haben ein paar Millionäre etwas gespendet. Die haben mich alle abgeknutscht. (lacht)

Tante E. – ein Anker für die Schwächeren

  • 2003 Gründung des Vereins „Straßenkinder e. V.”
  • komplett aus Spenden finanziert 
  • Bedürftige bekommen Essen, Kleidung, Hilfe bei Behördengängen 
  • während Corona blieb „Tante E.” dank Sondergenehmigung offen

www.strassenkinder-leipzig.de

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