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Leipziger Buchmesse

Bridgerton-Autorin Julia Quinn in Leipzig

Julia Quinn, Autorin der Bridgerton-Romane, sprach im Thalia Leipzig über den unerwarteten Serienerfolg, historische Genauigkeit und ihren Schreibprozess. Der englischsprachige Book Talk war mit 140 Plätzen ausverkauft.

Julia Quinn beim Book Talk im Thalia Leipzig. © Viktoria Schlögel

Bridgerton-Autorin Julia Quinn in Leipzig

140 Gäste füllten am Sonntagabend das Thalia. Der englischsprachige Book Talk bildete den Abschluss einer Veranstaltungsreihe im Rahmen der Leipziger Buchmesse. Auf der Bühne: Julia Quinn. Herzchenpulli, offenes Lachen, schnelle Pointen.

Die Autorin der Romanreihe Bridgerton wirkt nahbar. Sie scherzt über eigene Planungsfehler. Sie erzählt von Verträgen, die mehr festlegten als ursprünglich gedacht. Und sie spricht offen über Kritik.

 

„Ich schreibe keinen Geschichtsunterricht“

Historische Genauigkeit sei nie ihr Hauptziel gewesen, sagte Quinn.
„Ich habe nie behauptet, einen Geschichtskurs zu schreiben. Ich arbeite mit Atmosphäre.“

Kritik habe sie dennoch begleitet. Besonders zu Beginn ihrer Karriere sei ihr vorgeworfen worden, historische Details zu frei zu handhaben. Quinn reagiert nüchtern: Kleine Ungenauigkeiten störten weniger als grobe Fehler im Alltag. „Wenn jemand in einer Einbahnstraße in die falsche Richtung fährt, ärgert das mehr.“

Ihr Anspruch sei es, Figuren zu schaffen, deren innere Konflikte auch heutige Leser nachvollziehen können – auch wenn die Handlung im frühen 19. Jahrhundert spielt.

 

Der unerwartete Anruf aus Hollywood

Dass ihre Bücher einmal verfilmt würden, habe sie lange nicht erwartet.
„Bis zu diesem Anruf im Januar 2017 hätte ich nie gedacht, dass meine Bücher adaptiert werden“, sagte sie.

Historische Stoffe seien teuer. Wenn Hollywood eine Epoche verfilme, greife man häufig zu Jane Austen. Dass ausgerechnet ihre Reihe zur Grundlage einer Netflix-Produktion wurde, überraschte sie selbst.

Die Serie Bridgerton startete 2020 beim Streamingdienst Netflix. Seitdem gehört sie zu den erfolgreichsten Produktionen der Plattform.

Quinn betonte, sie fühle sich in die Umsetzung eingebunden. Wenn sie bestimmte Szenen für wichtig halte, stoße sie bei den Produzenten meist auf Zustimmung. „Oft hatten sie dieselbe Idee bereits.“

 

Acht Geschwister – ungeplant

Ursprünglich seien nicht acht Bände geplant gewesen.
„Das stand irgendwann im Vertrag“, sagte Quinn. „Acht Bücher waren nie der Plan.“

Rückblickend hätte sie manches anders strukturiert. Drei Romane spielen teilweise zeitgleich. Das habe sie sich anfangs nicht bewusst gemacht. „Ich habe mich selbst in eine Ecke geschrieben.“

Auch Details entstanden spontan. Eine Figur wurde kurzerhand zur Witwe erklärt – die Erklärung folgte erst später. Das Publikum reagierte mit Lachen.

 

Wie ein Bridgerton-Roman entsteht

Bevor sie zu schreiben beginne, investiere sie viel Zeit in Vorbereitung. Rund zwölf bis fünfzehn Seiten umfasse ihre Vorarbeit. Zunächst entwickle sie die Figuren. Sie wolle deren Lebensweg genau kennen – auch Aspekte, die im Roman nicht auftauchen.

„Wenn ich die Figuren wirklich verstehe, entstehen die Szenen fast von selbst.“

Manche Stellen im Konzept blieben vage. Dort stehe lediglich: „Hier passieren Dinge.“ Andere Passagen seien dagegen sehr konkret – inklusive Dialogzeilen, die ihr früh einfielen.

 

Popkultur im Kostümdrama

Ein Teil des Gesprächs drehte sich um Musik. Die Serie ist bekannt für orchestrale Versionen moderner Popsongs. Quinn zeigte sich begeistert von dieser Idee.

Sie selbst besuchte die „Eras Tour“ von Taylor Swift und sprach mit sichtbarem Vergnügen über das Konzert. Bestimmte Songs könne sie sich gut in künftigen Staffeln vorstellen.

Moderne Musik in historischer Kulisse sei kein Widerspruch, sagte sie. Gefühle veränderten sich weniger stark als gesellschaftliche Regeln.

 

Leipzig als Begegnungsort

Dass Quinn in Leipzig auftrat, ist der Buchmesse zu verdanken. Ohne das internationale Branchentreffen wäre der Abend im Thalia kaum zustande gekommen. Für das Publikum bot sich die seltene Gelegenheit, eine international erfolgreiche Autorin persönlich zu erleben – jenseits von Streamingzahlen und Bestsellerlisten.

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