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Hamburger Rapper Das Bo im Interview

„Botox ist der falsche Weg, um sich zu entfalten.“

© Timmo Schreiber

Das Bo kommt am 22. Januar im Rahmen seiner ersten Solotour nach Leipzig. Und das, obwohl der Hamburger Rapper schon seit über 25 Jahren im Geschäft ist. Ob als Teil von Fünf Sterne deluxe, mit Jan Delay oder solo: Mirko Bogojević aka. Das Bo, hat deutschen Hip-Hop seit seinen Anfangstagen mitgeprägt. Mitte der 1990er startete er seine Rapkarriere, da war das Genre in Deutschland noch eine Neuheit. Zum 25-jährigen Jubiläum seines Hits „Türlich, Türlich.“ geht es nun auf die TOURLICH TOURLICH TOUR. Das Bo blickt auf 30 Jahre Worte und Gedanken zurück – nicht nur als Rapper, sondern als multimedial arbeitender Künstler. Über seine Gegenwart, Entwicklung und das Älterwerden im Rap spricht er im Ahoi-Interview mit Paula Goos.

Was ist das Dümmste, was du in letzter Zeit gemacht hast?
Das Bo: Das ist aus Versehen passiert. Ich war plötzlich so betrunken wie mit 15. Es ist mir entglitten – aber es war auch schön. Eigentlich ist man ja erfahren genug, aber dann überrascht man sich doch noch mal selbst und schlägt aus Versehen über die Stränge.

Wenn du eine Zeitreise machen könntest – wohin würde sie gehen?
Das Bo: Eigentlich nirgendwohin. Jetzt ist alles gut.

Schwelgst du nicht gern in der Vergangenheit?
Das Bo: Überhaupt nicht. Früher war nicht alles besser, aber es war auch vieles gut.

Nostalgie ist bequem, aber sie bringt nichts nach vorne. Das Bo

Du hast mit Rap angefangen, als es in Deutschland praktisch noch keinen Hip-Hop gab. Wie war das?
Das Bo: Das waren echte Anfangszeiten. Wir waren pioniermäßig unterwegs, sind für Fahrtgeld und einen Kasten Bier durch Jugendhäuser gefahren – auch nach Leipzig. Das war alles sehr roh und improvisiert. 

Vermisst du etwas aus dieser Zeit?
Das Bo: Nein. Ich erinnere mich gern, aber ich will da nicht zurück. Jugend ist wichtig, aber sie ist nicht wertvoller als das, was danach kommt.
Ich war damals sehr lost, hatte Fame, jubelnde Menschen – aber ich habe es nicht geschafft, das anzunehmen. Nach der Bühne ging es oft direkt wieder ins Loch.

Mental Health war bei mir schon Thema, nur hatte es keinen Namen und keine Strukturen. Man war damit ziemlich allein. Das Bo

Heute wird viel offener darüber gesprochen, auch im Rap.
Das Bo: Ja, und das ist eine positive Entwicklung. Heute gibt es Gespräche, Input, Sichtbarkeit. Für manche Erkenntnisse habe ich damals zehn, fünfzehn Jahre gebraucht – ein einziges Gespräch oder kurzes Video auf Social Media hätte vielleicht gereicht. Da hätte ich mich gesehen und verstanden gefühlt, gewusst, dass ich nicht allein bin. 

Gibt es etwas, das dich am heutigen Deutschrap stört?
Das Bo: Nicht der Sound. Mich stört die Erwartung, dass alles immer maximal sein muss: mehr Aufmerksamkeit, mehr Provokation, mehr Output. Das erzeugt Druck – und Druck ist selten kreativ.

Wie fühlt sich HipHop mit über 40 an?
Das Bo: Ruhiger. Mit 20 willst du alles, mit 40 weißt du, was dir egal ist. Ich muss nichts mehr beweisen.

Als was würdest du dich heute bezeichnen? Sänger, Rapper, Musiker?
Das Bo: Sänger auf keinen Fall. Musiker auch schwierig – ich kann keine Noten. Ich habe früher gesagt, ich komme vom Scheiße labern. Das war eigentlich eine ziemlich präzise Beschreibung meiner Kompetenz, auch wenn es wie negativer Self-Talk klingt.
Heute sehe ich mich eher als Künstler im Gesamtsinn. Als Mensch. Auch das ist eine Kompetenz. Mit meiner Musik, war ich immer auf der Suche nach mir selbst. Ich habe jetzt nie ein Alter-Ego definiert und das bespielt, ich war immer ich selbst.

In der Pandemie hast du viel außerhalb klassischer Musikformate gemacht.
Das Bo: Ich war schon immer auch hinter den Kulissen aktiv, bei Musikvideos und Covergestaltung. Zu Coronazeiten habe ich Lesungen für 30 Leute gemacht. Nach der Pandemie haben wir mit meiner Agentur “Gut ist Gut” eine Abrissvilla bespielt. Da haben wir Künstler zur Residenz eingeladen und dort Kunst- und Kulturveranstaltungen gemacht. Diese Öffnung hat mir gutgetan.

Arbeitest du lieber allein oder im Team?
Das Bo: Kreativ arbeite ich lieber allein, da brauche ich Ruhe. Zusammenarbeit kommt später. Auf der Bühne ist Gemeinschaft wichtig, aber die alten Crew-Ideen funktionieren so nicht mehr.

Warst du immer ein Einzelgänger?
Das Bo: Zwangsweise ja. Ich bin in Hamburg geboren, aber als Kind aufs Dorf gezogen, während ich weiter in Hamburg zur Schule ging. Da war niemand. Musik war mein Zugang zu Menschen. Früher habe ich mich gefragt: Wo gehöre ich dazu? Heute frage ich: Wer gehört zu mir? Das ist keine Stil- oder Altersfrage, sondern eine Vibe-Sache.

TOURLICH TOURLICH ist deine erste Solotour nach 30 Jahren – warum jetzt?
Das Bo: Weil jetzt alles zusammenkommt. Anfang des Jahres hatten wir eine große Ausstellung mit über 1.200 Besucher:innen, später war ich als Opener mit Jan Delay auf Tour. Da entstand die Idee, alles zu bündeln.

Wird die Tour auch ein multimediales Spektakel?
Das Bo: Nein, das wird eine One-Man-Show. Keine Liveband, nur DJ. Fokus auf 30 Jahre Worte und Gedanken. 
Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht zu viel rede – sonst wird es eine Podcast-Show und das zweite Lied kommt erst nach einer halben Stunde. (lacht)

Und der rote Faden bist am Ende du?
Das Bo: Genau. Der rote Faden ist bunt. Manche Stücke sind Zeitzeugen, andere zeitlos. Viele Dinge, die mich heute ausmachen, waren damals schon angelegt – nur noch nicht bewusst.

wer soll zu deiner Tour kommen?
Das Bo: Am Besten alle! HipHop ist für mich immer eine Reflexion der Gesellschaft. Egal ob jemand Oldschool-Rap oder Trap hört – es geht um Verbindung. Wir stehen gerade an einem Punkt, an dem sich vieles trennt: Technik und Künstlichkeit einerseits, das Bedürfnis nach Echtheit andererseits. Alles ist so zerissen – lasst uns diesen Anlass nutzen, um zusammenzukommen!

Hast du ein Lebensmotto?


Nicht entweder oder, sondern: entweder und. Das Bo

Danke, Das Bo.
Das Bo: Türlich, Türlich ;)

DAS BO - TOURLICH TOURLICH 2026

22. Januar 2026 
Werk 2 
20 Uhr 

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