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  • Kunst
Bis 27. September

Beseeltes Design

Noch nie wurde zeitgenössisches Design aus Lateinamerika in Europa so umfassend gezeigt wie jetzt im Grassimuseum. Kuratorin Luján Cambariere stellt die Werke, Materialien und Techniken von 56 Künstlern vor.

© Dimo Rieß

The Soul of Objects“ heißt die aktuelle Ausstellung im Grassimuseum. Und den Titel darf man ruhig wörtlich nehmen. „Wir arbeiten immer mit dem Herz in der Hand“, so Kuratorin Luján Cambariere.

Design und Kunsthandwerk aus Lateinamerika beschränken sich selten auf Funktion und Schönheit. Sie wurzeln in Tradition und tragen meist eine spirituelle oder rituelle Ebene in sich. „Für uns hat Design eine Seele“, sagt Cambariere.

Gemeinsame DNA

Seit fünf Jahren lebt die argentinische Kuratorin und Journalistin in Berlin. Und noch länger trägt sie den Traum einer Überblicksausstellung lateinamerikanischen Designs mit sich herum. Umso glücklicher ist sie, dass der Traum jetzt in großem Maßstab in Erfüllung geht. Mit Werken von 56 Künstlern aus 13 Ländern des Kontinents von Argentinien bis El Salvador.

Bei aller Heterogenität glaubt Cambariere an eine gemeinsame DNA des lateinamerikanischen Designs und Kunsthandwerks. Beide wurzeln in lokalen handwerklichen Traditionen und nutzen die jeweils verfügbaren natürlichen Ressourcen wie Holz, Wolle oder Naturfasern von Agave bis zur Kokapflanze. Lokale Gemeinschaften sind häufig in die Produktionsprozesse eingebunden.

Ein Beispiel: Der Kolumbianer Alejandro Tapias hat in Madrid studiert und sich nach seiner Rückkehr mit den Handwerkstechniken indigener Gruppen auseinandergesetzt. Jetzt arbeitet der Designer mit Frauen der Kamentza-Gemeinschaft zusammen, die seine Gefäße aus Holz mit Perlenornamentik schmücken – inspiriert von der farbenfrohen Insektenwelt des Amazonas.

Lateinamerika hat Antworten auf Fragen, die wir uns in Europa heute stellen. Luján Cambariere, Journalistin und Kuratorin von „The Soul of Objects“

Tradition trifft zeitgenössische Formsprache

„Lateinamerika hat Antworten auf Fragen, die wir uns in Europa heute stellen“, sagt Cambariere mit Verweis auf die ökologische und soziale Nachhaltigkeit, die dort traditionell Teil der Arbeitsabläufe ist. Zugleich gelingt die Verbindung von Tradition mit einer Formsprache auf der Höhe der Zeit – wie bei Alejandro Tapias. Die bunte Ausstellung reicht von rituellen Tiermasken über mit natürlichen Farbstoffen gefärbte Baumwollkleidung aus Peru bis zu stylisch bunten Rosshaar-Lampenschirmen aus Chile.

„The Soul of Objects“
bis 27. September
Grassimuseum
www.grassimak.de

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