Koalas fressen Eukalyptus – viel Eukalyptus unterschiedlicher Arten, denn der aus Australien stammende Beutelsäuger ist wählerisch und manchmal mäkelig. Da die Pflanze in unseren Breiten kaum wächst, müssen die meisten Zoos das Myrtengewächs aufwendig aus Süd- europa importieren. Der Zoo Leipzig nicht. „Wir lassen ihn durch den Gartenbaubetrieb vor Ort produzieren“, sagt Michael Meyerhoff, im Zoo Leipzig für Artenschutz und Nachhaltigkeit zuständig. Seit 2014 baut die Firma Gartenbau Schilling im Leipziger Norden unweit des Flughafens über 20 Arten von Eukalyptus an. Nur eines von vielen Beispielen dafür, wie bewusst sich der Zoo Leipzig seit etwa zehn Jahren dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben hat.
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Artenschutz und Umweltmanagement

Zoo reduziert Energieverbrauch und CO2-Abdruck
Seit 2014 ist der Zoo Leipzig EMAS- zertifiziert, einer der höchsten Umweltmanagement-Standards überhaupt. Kein anderer Zoologischer Garten hier- zulande setzt einen solch umfassenden Nachhaltigkeitsplan um. Es geht dabei um Energieverbrauch, Abfälle sowie Staub- und Lärmemissionen und Materialeinsatz. Auch europaweit setzen die Leipziger damit Maßstäbe. So kommen etwa zwei Drittel der Futtermittel aus einem 150-Kilometer-Radius rund um Leipzig. Seit dem Jahr 2000 werden die Gebäude des 1878 gegründeten Zoos im Rahmen des Masterplans „Zoo der Zukunft“ Stück für Stück komplett runderneuert – vor allem des Tierwohls wegen, aber auch wegen des verbesserten Energiemanagements in neuen oder runderneuerten Gebäuden.
2020 hat der Zoo nach eigenen Angaben 36,5 Prozent weniger Energie verbraucht als noch im Jahr 2013, der CO2-Abdruck wurde durch die Umstellung auf Ökostrom seit 2015 sogar um jährlich 77,5 Prozent reduziert. „Das ist aus meiner Sicht ein Riesenerfolg“, sagt Experte Meyerhoff. Der Ostwestfale, der vor zwei Jahren zum Zoo Leipzig wechselte und zuvor sieben Jahre in Kambodscha arbeitete, betont: „Wir haben einen Vorbildcharakter. Zoos mit großem Besucheraufkommen haben eine einmalige Chance, der breiten Bevölkerung Nachhaltigkeit und Artenschutz zu vermitteln.“ Neben der Rolle als Ort der Erholung und Freizeitgestaltung habe der moderne Zoo insbesondere die Aufgaben Bildung, Forschung, Artenschutz und Nachhaltigkeit. „Das ist ein Riesenpotenzial, Umweltbildung niedrigschwellig zu transportieren, und für Natur-, Klima- und Artenschutz zu begeistern.“

Weltweiter Partner für Renaturierung und Artenschutz
Neben den Bemühungen vor Ort auf dem Gelände am Rosental, die auch in den kommenden Jahren einem strukturierten und detaillierten Masterplan folgen, betreibt und fördert der Zoo Leipzig weltweit Artenschutz- und Renaturierungsprojekte. Auf Borneo unterstützt der beste Zoo Deutschlands (Auszeichnung 2021) den Rhino & Forest Fund, der Palmölplantagen renaturiert und Regenwald aufforstet. In Vietnam engagiert sich der Zoo aus der Messestadt in einem eigenen Projekt für sehr seltene Primatenarten. „Wir haben dort eine große Verantwortung, dass einige der seltensten Primatenarten der Welt nicht aussterben“, erklärt Meyerhoff.

„Wir sind viel mehr als ein lokaler Zoo, wir sind eine weltweit tätige NGO.“
Dies gilt besonders für die etwa 75 noch lebenden Goldkopflanguren auf der viet- namesischen Insel Cat Ba in der Halong- Bucht. „Deren Lebensraum muss geschützt sein“, warnt Meyerhoff. „Unser ganzheitlicher Ansatz ist, Renaturierung mit Lebensraum-, Tier- und Artenschutz zu verbinden.“ Denn ohne den nötigen geschützten Lebensraum können auch die Tiere nicht überleben. Das betrifft auch den Feldhamster in sächsischen Gefilden, für deren Schutz sich der Zoo gemeinsam mit der sächsischen Landes- regierung einsetzt. Damit der Feldhamster wieder in sich selbst erhaltenden Populationen vorkommt, müssen Ökosysteme wiederhergestellt werden. „Wir sind viel mehr als ein lokaler Zoo“, appelliert Meyerhoff, „wir sind eine weltweit tätige NGO. Wir haben auch eine regionale und globale Verantwortung.“
Aus Meyerhoffs Perspektive geraten „Artensterben und Verlust der Bio- diversität in Anbetracht des Klimawandels medial oftmals in den Hintergrund, weil uns das als Menschen vermeintlich nicht unmittelbar betrifft“, sagt er und ergänzt: „Ich würde mir wünschen, dass dieser Fakt mehr im Fokus wäre. Wenn wir die Ressourcen zerstören, dann ha- ben wir nicht nur ein Problem für die Artenvielfalt, sondern auch für uns als Menschheit.“ In Zukunft will der Zoo weiter engagiert an vielen Details wie der Einsparung von mehr Ressourcen oder dem Bau weiterer eigener Photovoltaikanlagen arbeiten, um noch nachhaltiger zu werden. „Der Zoo Leipzig ist auch im städtischen Kontext Vorreiter beim Thema Nachhaltigkeit“, sagt Meyerhoff. „Wir wollen Themen noch mehr in die breite gesellschaftliche Diskussion bringen.“ Der Zoo als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. So wie bei Eukalyptus aus Sachsen.

EINE ARCHE FÜR DEN ARTENSCHUTZ
Vom historischen Raubtierhaus zum multimedialen Erlebnisraum: Anfang Juli hat der Zoo Leipzig in historischem Gemäuer das neu gestaltete Entdeckerhaus Arche eröffnet. So können die Besucher durch eine eindrucks- volle 360-Grad-Projektion auf gut 460 Quadratmetern Videofläche samt Soundkulisse immersiv in die vielfältigen Artenschutzprojekte des Zoos eintauchen. „Der neu entstandene Ausstellungsraum verbindet anspruchsvolle Filmkunst, Bildung und Edutainment mit der Sensibilisierung für den Erhalt bedrohter Tierarten und Lebensräume“, sagt Zoodirektor Professor Jörg Junhold: „Diese einzigartige Installation setzt tech- nisch neue Maßstäbe und soll ein Bewusstsein für den Schutz unserer Artenvielfalt schaffen.“
Mehr Infos: www.zoo-leipzig.de/artenschutz

