• Ausstellung
Eine Jahrhunderttradition

370 Jahre Zeitungsdruck in Leipzig

  • 20.09.2020 - 30.05.2021
© Veranstalter

Als der Leipziger Drucker Timotheus Ritzsch am 1. Juli 1650 die erste gedruckte Tageszeitung der Welt, „Einkommende Zeitungen“, publizierte, war der Grundstein für eine Erfolgsgeschichte gelegt.

Die vier zentralen Merkmale der Tageszeitung – Aktualität, leichte Zugänglichkeit, regelmäßiges Erscheinen und inhaltliche Vielfalt – machen dieses Medium auch 370 Jahre nach seiner Erfindung zu einem einmaligen kulturellen Format, das die Demokratisierung von Wissen mit Aufmerksamkeitsökonomie paart. Pro Erscheinungstag werden in Deutschland heute fast 15 Millionen Tageszeitungen – print oder digital – verkauft. Die Vertrauenswürdigkeit der Tageszeitung liegt auch bei Jugendlichen weit vor Fernsehen, Radio und Internet. 

Wenn Thomas Jefferson (1743–1826) mit dem Satz zitiert wird: „Wenn ich zu wählen hätte zwischen einem Land mit einer Regierung, aber ohne Zeitung, und einem Land mit Zeitung, aber ohne Regierung, dann würde ich mich für das Land ohne Regierung entscheiden“, so zeigt das auch die gesellschaftliche und politische Relevanz der Zeitung, deren Geschichte in Leipzig wurzelt. 

Zu einem Massenmedium wurde die Zeitung im 19. Jahrhundert. Schnellpressen und Rotationsmaschinen sorgten für eine zuvor nie gekannte Geschwindigkeit in der Druckerei. Auch in der Messestadt Leipzig, in der in den vergangenen 370 Jahren mehr als 100 Zeitungstitel verlegt wurden, entfaltete der Zeitungsdruck im Kontext der Industrialisierung eine enorme Anziehungskraft: Papierherstellung, Verlage und Druckmaschinenindustrie siedelten sich in Leipzig an. 

Bis zum Jahr 1933 entwickelte sich in Leipzig eine große Vielfalt von Zeitungen mit ihren Regionalausgaben. Mit dem Verbot zahlreicher Presseorgane durch die Nationalsozialisten wurde auch die Leipziger Volkszeitung (LVZ), eine der ältesten laufenden Zeitungen, in Leipzig verboten. In der DDR waren auch die in Leipzig gedruckten Zeitungen nicht unabhängig, sondern erschienen als Organe der Blockparteien. Die friedliche Revolution vor 30 Jahren brachte zunächst für eine kurze Zeit eine überbordende Vielfalt von Neuerscheinungen. Durch die Möglichkeiten der Onlinepublikation, deren Überlegenheit durch Schnelligkeit gerade auf dem Zeitungsmarkt einschneidende Folgen für das Printgeschäft hatte, sanken Anzahl und Auflage der gedruckten Zeitungen drastisch. So steht heute vor allem die Frage nach der Konkurrenzfähigkeit der (Online-)Tageszeitungen gegenüber anderen Informationsformaten im Raum – mediengeschichtlich eine hochspannende, von Abschied und Aufbruch geprägte Phase in der Geschichte der Zeitungen.

Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum nimmt das Jahr der Industriekultur 2020 zum Anlass, in einer kleinen Ausstellung einen Blick auf die stolze Geschichte des Zeitungsdrucks in Leipzig zu werfen – eine Ära, die vor 370 Jahren begann und hier 2019 zu Ende ging, als die letzten Druckmaschinen für den Zeitungsdruck in Leipzig abgeschaltet wurden.

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 10–18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen geschlossen.

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